Monatelange Vorbereitungen lagen hinter dem Organisationsteam der Wandersparte, unzählige Streckenkilometer waren abgefahren, es wurde geplant und umgeplant, Probegegessen, organisiert, Speisekarten verschickt und Zimmer gebucht. Zum Schluss galt der bange Blick diversen Wetter Apps, wird das Wetter halten ohne Kapriolen wie Extremhitze oder Unwetter.
Am 15. August 2026 war es dann soweit. 27 Sportlerinnen und Sportler standen morgens um 9 Uhr gut eingecremt und sonnenbehütet mit gepackten Rädern am verabredeten Startpunkt und freuten sich auf den Höhepunkt des Wanderspartenjahres. Wer vorab von seinen Wochenendplänen erzählt hatte schaute so manches Mal in erstaunte Gesichter: Wöltingerode? Das ist bei Vienenburg, weißt du wie weit das ist? Ihr fahrt aber erst ein Stück mit dem Zug, oder? …
Aber Gisela und Gerhard Lüders hatten alles sehr gut geplant und auf bequemen Wegen ging es flott voran. 35 Grad Celsius ließen allerdings niemanden ganz kalt. Bei unserem Tourguide Gerhard kam noch ein böser Infekt hinzu, so dass er auf halber Strecke ins Begleitfahrzeug umsteigen musste. Aber auch für so einen unvorhersehbaren Fall war vorgesorgt und Jürgen Stille konnte dank vorab heruntergeladener Route die Führung der Gruppe übernehmen. So erreichten wir sicher aber erschöpft nach rund 85 Kilometern Hitzeschlacht unser Ziel - das Hotel im Kloster Wöltingerode.
Nach der freundlichen Begrüßung wurde das Gepäck abgeladen, die Räder sicher im Schuppen verstaut und in rekordverdächtigen 20 Minuten die Zimmer bezogen, geduscht und angehübscht, denn um 17 Uhr starteten schon die nächsten Programmpunkte. Bei einer launigen Führung wurde uns kurz und knapp die Klostergeschichte zusammengefasst. Wir hörten von der Klostergründung 1174, den Wechseln von katholischem und lutherischem Glauben, dem Brand 1776, die Säkularisation und schließlich dem Verkauf durch Napoleons Bruder Jérome Bonaparte. In der neueren Geschichte war das Koster Sitz der Landfrauenschule des Reifensteiner Verbandes bis 1993 ein Lehrbetrieb der Welfenakademie gegründet wurde. 2008 wurde dann das
Hotel im vierflügligen Klostergebäude eröffnet, in dem auch wir für eine Nacht residierten.
Und natürlich wollten wir auch mehr über die berühmten und beliebten Spirituosen erfahren. Wir schauten uns an wo seit 1682 nach alter Tradition aus eigenem Weizen, klarem Brunnenwasser und Gerstenmalz in kupfernen Brenngeräten Feinbrände für Liköre und Geister hergestellt werden. Beim anschließenden Tasting konnte jeder seinen Favoriten finden.
Ebenfalls auf dem Klostergelände aber bei weitem nicht so bekannt ist das Lachs-Infocenter. Einst war der Lachs auch in der Oker heimisch bis er durch Verschmutzung insbesondere durch den Bergbau völlig verschwand. Inzwischen sind die Flüsse wieder sauberer und in einem Langzeitprojekt soll der atlantische Lachs auch wieder bis in den Harz angesiedelt werden. Der Laich wird dazu in den Flüssen ausgesetzt, die jungen Fische prägen sich 1 ½ Jahre ihre Umgebung ein, siedeln dann in reiche Futtergebiete in Nordsee und Atlantik um und kommen Jahre später zum Ablaichen in ihre
Kinderstube in die Flüsse zurück. Mit viel Aufwand werden unüberwindbare Hindernisse zurückgebaut, so dass zumindest einige Lachse über Fischtreppen in die Geburtsregionen zurückkehren können. Unvorstellbar was Tiere leisten. Hunderte Kilometer von zu Hause ausgesetzt
wären die meisten von uns ohne Navi wahrscheinlich erstmal hilflos.
Nach diesem lehrreichen Vortrag stand das Abendessen für uns bereit und anschließend ließen wir den Tag im wunderschönen Klostergarten ausklingen.
Der Sonntagmorgen begann mit einem herrlichen Frühstück. Herzhafte Eierspeisen, Lachs und Salate, frischer Obstsalat und Avocado sowie Pancakes, Honig aus der Wabe und Erdbeertörtchen für den süßen Zahn ließen keinen Wunsch unerfüllt. Über Nacht hatte ein Gewitter die Luft gut abgekühlt, so dass die Radelkilometer leicht von der Hand oder besser dem Bein gingen. Die Wege führten uns zunächst am Harzrand entlang und über Landstraßen und Wirtschaftswege Richtung Heimat. In Gadenstedt hatten wir Mittagessen bestellt und das freundliche Team vom Santorini verwöhnte uns mit griechischen Spezialitäten. Nach einerausgedehnten Pause in dem schönen Gastgarten war das letzte Stück bis in Lüders Garten ein Klacks. Bei einem Abschlussgetränk und wer wollte einer Abkühlung im Pool ließen wir die anstrengende aber wunderbare Tour noch einmal Revue passieren.







